
„Ende des 19. Jahrhunderts war Havanna praktisch eine in der Zeit erstarrte Stadt …“ So beginnt der Text dieses Bandes, der Ereignisse und Bilder der kubanischen Hauptstadt in den ersten Jahrzehnten der Republik in Erinnerung ruft – vor allem des Viertels El Vedado, von seiner Entstehung bis zu seinem unausweichlichen Niedergang als bevorzugter Wohn- und Freizeitort der Oberschicht.
Viele Faktoren trugen dazu bei, dass sich das in diesen ersten Zeilen beschriebene Bild wandelte, darunter das rasche Bevölkerungswachstum, insbesondere „das der begüterten Schichten, die nach neuen Räumen verlangten, um sich darin zu legitimieren“. 1918 war El Vedado das exklusivste Viertel der Hauptstadt. Der Text von Dr. Llilian Llanes ist eine einzigartige Geschichtsstunde: über ein Land, eine Stadt, ihre Hierarchien und Klassen. Er behandelt architektonische Typologien und ihre Entwicklung im Lauf der Jahre ebenso wie das Wirken von Baumeistern und renommierten Architekturbüros, und er widmet sich eingehend den Residenzen der prominentesten Persönlichkeiten der Republik: der Generäle und Doktoren, die – wie in Carlos Loveiras Roman – das Rampenlicht für sich allein beanspruchten.
Der Band versammelt Bilder aus Archiven und aus Zeitschriften jener Zeit wie El Fígaro und Social, die seither nur selten reproduziert wurden. Es sind nicht nur Aufnahmen von Gebäuden, ihren Fassaden und Interieurs, sondern auch Porträts, Karikaturen und Anzeigen, die in die Atmosphäre und Dynamik einer Epoche eintauchen lassen.
Als Ergänzung zu dieser Geschichte eine zeitgenössische Sicht: Durch das Objektiv von Pedro Abascal entdecken wir andere Blickwinkel desselben Havanna ein Jahrhundert später.
Ist diese Stadt noch immer in der Zeit erstarrt?


